Thüringen ist mehr als sein Wald. Nördlich und östlich des bewaldeten Kamms, der eine eigene Revierseite hat, liegt ein breites Bundesland aus Klassikerstädten, Karstbergen, Stauseen und weiten Hochflächen. Wer Rennsteig und Thüringer Wald schon kennt, findet hier die andere Hälfte: kurvige Uferstraßen an der Saale, zügige Verbindungen durchs Thüringer Becken, eine echte Naturrennstrecke im Schiefergebirge und Kulturstopps von Weltrang. Was die einzelnen Ecken fahrerisch und landschaftlich ausmacht, steht hier.
Kyffhäuser & der Norden – Kaiser, Kehren und Karst

Im Norden erhebt sich der Kyffhäuser, ein kompaktes Bergmassiv über der Goldenen Aue. Auf dem Kamm steht das monumentale Kaiser-Wilhelm-Denkmal; die Auffahrt von Bad Frankenhausen herauf ist eine eng gestaffelte Kehrenstrecke, wie man sie im flachen Nordthüringen sonst kaum findet. Am Fuß liegt die Barbarossahöhle, eine der wenigen Anhydrit-Schauhöhlen überhaupt, ringsum die Karstlandschaft des Südharzrands. In Bad Frankenhausen selbst lohnen der schiefe Turm der Oberkirche und das Bauernkriegs-Panorama den Halt. Nordthüringen ist die weite, wenig befahrene Seite des Landes.
Eichsfeld – der katholische Nordwesten

Nach Westen schließt das Eichsfeld an, eine sanft gewellte Hügellandschaft im äußersten Nordwesten, jahrhundertelang kurmainzisch und bis heute katholisch geprägt – ein Sonderfall im sonst protestantischen Thüringen. Hauptort ist der Kneipp-Kurort Heilbad Heiligenstadt; ringsum wechseln die Muschelkalkhöhen von Dün und Ohmgebirge mit ruhigen Landstraßen entlang der früheren innerdeutschen Grenze. Wer weite Kurven ohne Ausflugsverkehr sucht, ist hier richtig.
Weimar, Erfurt, Jena – die Klassikerstädte

Kulturell ist Thüringen dicht besetzt. In Weimar stehen die Wohnhäuser von Goethe und Schiller, hier gründete Walter Gropius 1919 das Bauhaus. Erfurt, die Landeshauptstadt, trägt mit der durchgehend bebauten Krämerbrücke und dem Ensemble aus Dom und Severikirche eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands. In Jena prägt die Optik das Bild – Carl Zeiss und Schott – samt dem Zeiss-Planetarium, einem der ältesten der Welt. Dazwischen liegt das Thüringer Becken, weite Ackerhochflächen mit zügigen, trubelfreien Verbindungsstrecken. Südwestlich von Erfurt markieren die Drei Gleichen – Mühlburg, Wachsenburg und Burg Gleichen in Sichtweite zueinander – ein lohnendes Fahrziel im offenen Hügelland.
Hainich & der Westen – Urwald mitten in Deutschland

Der Nationalpark Hainich westlich von Erfurt schützt das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands; als Teil der alten Buchenwälder trägt er den UNESCO-Welterbe-Titel. Der Baumkronenpfad an der Thiemsburg führt in Wipfelhöhe durch den Buchenwald, die Straßen ringsum sind schmal und ruhig. Als Tor zur Region dient das historische Mühlhausen, freie Reichsstadt und Schauplatz des Bauernkriegs von 1525, mit einem der geschlossensten Türme- und Kirchen-Altstadtbilder Thüringens. Das benachbarte Bad Langensalza verbindet Kurbetrieb mit einer sehenswerten Fachwerk-Altstadt.
Werratal & Wartburg – der Anschluss nach Westen

Am westlichen Rand öffnet sich das Werratal, die Verbindung nach Hessen und zur Rhön. Über Eisenach erhebt sich die Wartburg, UNESCO-Welterbe: Hier übersetzte Martin Luther 1521/22 das Neue Testament ins Deutsche, in der Stadt darunter wurde Johann Sebastian Bach geboren. Flussabwärts überspannt in Creuzburg eine der ältesten steinernen Werrabrücken das Tal, überragt von der gleichnamigen Burg. Die Werra bildet streckenweise die Landesgrenze; ihre Uferstraßen führen ohne Passcharakter, aber landschaftlich reizvoll ins Rhön-Vorland hinüber.
Saaletal & Saalekaskade – Deutschlands größte Stauseen

Im Osten schneidet die Saale ein tief eingekerbtes Tal, in dem die Saalekaskade liegt – eine Kette von fünf Talsperren. Die Bleilochtalsperre bei Saalburg fasst von allen deutschen Stauseen das größte Volumen, die flussabwärts folgende Hohenwartetalsperre zählt ebenfalls zu den größten. Ihre Uferstraßen winden sich in engen Serpentinen an den Hängen, mit häufigem Wechsel aus Wald, Wasserblick und kurzen Rampen. Saalfeld mit den Feengrotten, die als farbenreichste Schaugrotten der Welt gelten, und das Barockschloss Heidecksburg über Rudolstadt setzen die Kulturpunkte im Tal.
Thüringer Schiefergebirge & Saale-Orla – der raue Südosten

Nach Süden geht das Saaletal ins Thüringer Schiefergebirge über, den dünn besiedelten Südosten im Saale-Orla-Kreis. Hier reihen sich schmale, wenig befahrene Kurvenstrecken durch Sormitz- und Loquitztal, vorbei an alten Schieferbrüchen – in Lehesten hält ein technisches Denkmal die Bergbaugeschichte fest. Kurorte wie Bad Lobenstein gliedern die Hochfläche; nach Süden grenzt der bayerische Frankenwald, nach Osten das sächsische Vogtland an – Übergänge, die sich zu größeren Runden verbinden lassen.
Schleizer Dreieck – die Rennstrecke im Schiefergebirge

Mitten in diesem Südosten liegt bei Schleiz das Schleizer Dreieck, die älteste noch genutzte Naturrennstrecke Deutschlands – ein Kurs aus öffentlichen Landstraßen, auf dem seit den 1920er-Jahren Rennen gefahren werden. An renn- und trainingsfreien Tagen fährt man die Schleife im normalen Verkehr ab; Veranstaltungstermine gehören vor einem Besuch geprüft. Ringsum bleibt das Schiefergebirge kurvig und leer – ideales Terrain für lange, ungestörte Etappen.
Altenburger Land – der flache Osten

Ganz im Osten, an der Grenze zu Sachsen, liegt das Altenburger Land – fruchtbares Lössland am Rand der Leipziger Bucht, flacher als das übrige Thüringen. Die Straßen laufen hier weiter und schneller als im Bergland, gutes Rollgelände zwischen zwei Kurvenrevieren. Namensgebend ist Altenburg, die Skatstadt: Hier entstand um 1810 das Kartenspiel, das Residenzschloss über der Altstadt und das Spielkartenmuseum erzählen seine Geschichte. Für Motorradfahrer ist die Ecke vor allem Verbindungsland Richtung Leipzig und ins sächsische Umland.
Vessertal & Hohe Schrecke – die stillen Naturräume

Zwei geschützte Waldgebiete lohnen als ruhige Kontrapunkte. Im Norden, zwischen Unstrut und Landesgrenze, zieht sich die bewaldete Hohe Schrecke hin – ein alter Buchenhöhenzug, als Wildnisgebiet weitgehend sich selbst überlassen, mit schmalen Randstraßen und kaum Verkehr. Am bewaldeten Südrand, unmittelbar an den Kamm des Thüringer Waldes anschließend, liegt das Vessertal, seit 1979 UNESCO-Biosphärenreservat und eines der ältesten Deutschlands. Beide sind keine Kurvenreviere, sondern Landschaftsziele für eine gemächliche Etappe abseits der Hauptrouten.