
Dreiländertour – Rhön
Bei traumhaftem Wetter zeigten sich Knüllgebirge und Co. von ihrer besten Seite
Thüringen
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Bei traumhaftem Wetter zeigten sich Knüllgebirge und Co. von ihrer besten Seite

Eine Wochenend- oder Feiertagstour ist die hier vorgestellte Runde wirklich nicht. Immerhin führt sie mitten durchs wunderschöne Seßlach, dessen Tore sich nur werktags für den motorisierten Verkehr öffnen.

Auch diese Tour startet am M&R Hotel Rennsteig**** in Masserberg. Vom höchstgelegenen Motorradhotel des Thüringer Waldes geht es bergab ins Schwarzatal.

So ist es jedes Jahr: Der März ist gekommen und die Motorradfahrer wollen raus! Aber ganz so einfach ist das nicht...

Süd-Niedersachsen kennt man möglicherweise nicht als das Motorradparadies. Allerdings bieten sich hier einsame Strecken – auch mal geschottert – an, die Motorradtourerherzen höher schlagen lassen.

Thüringen beschert uns mit dem Thüringer Wald und dem Thüringer Schiefergebirge einen Mittelgebirgsraum, der sich von der Werra im Nordwesten bis zum Frankenwald im Südosten erstreckt und der sich zu einem wahren Eldorado für…
Südlich von Schleiz im Saale-Orla-Kreis liegt mit dem Schleizer Dreieck das älteste noch genutzte Straßenrennen auf öffentlichen Straßen in Deutschland. Seit 1923 wird hier gefahren — nicht auf einer eigens gebauten Rennbahn, sondern auf einem annähernd dreieckigen Kurs aus ganz normalen Bundes- und Landstraßen durch den Wald des Thüringer Schiefergebirges. Genau das macht den Reiz für Motorradfahrer aus: Der Kurs ist an renn- und trainingsfreien Tagen öffentlicher Verkehrsraum und lässt sich im Alltagstempo abfahren.

Der Streckenverlauf hat den Charakter, den man von einer Naturrennstrecke erwartet — langgezogene Geraden, welliges Profil und schnelle, gut einsehbare Bögen, dazwischen der Waldrand als Kulisse. Wer bewusst hinfährt, hängt die Runde an die kurvigen Nebenstrecken des umliegenden Schiefergebirges, das dünn besiedelt und arm an Verkehr ist. Als Motorsport-Ausflugsziel bietet Schleiz an Veranstaltungswochenenden Rennen für Motorräder und Fahrzeuge; abseits davon ist der Ort ein ruhiger Ausgangspunkt für Touren im äußersten Südosten Thüringens.
Wichtig für die Planung: Während Rennen und Trainings ist der Kurs für den öffentlichen Verkehr gesperrt und nur als Zuschauer erreichbar. Wer die Schleife selbst fahren will, muss einen veranstaltungsfreien Tag erwischen — die Termine der Rennsaison also vorab prüfen. Auf der offenen Strecke gilt dann ganz normaler Straßenverkehr mit den üblichen Tempolimits, kein Zirkeltraining.
Zwischen Schiefergebirge und oberer Saale staut sich das Wasser zur größten zusammenhängenden Stauseenlandschaft Deutschlands, für die sich der Name Thüringer Meer eingebürgert hat. Kern sind zwei große Talsperren: die Bleilochtalsperre bei Saalburg und die flussabwärts anschließende Hohenwartetalsperre. Für Motorradfahrer ist dabei weniger das Wasser selbst interessant als das, was die Aufstauung mit den Straßen gemacht hat.
Weil die Saale samt ihren Seitentälern geflutet wurde, verzweigen sich die Seen fjordartig in die bewaldeten Hänge. Brücken sind selten, deshalb führt kaum eine Straße geradeaus — sie folgt dem Ufer in einem stetigen Wechsel aus engen Kurven, kurzen Rampen und Blicken übers Wasser, bis sie einen Seitenarm umrundet und zurückschwenkt. Das ergibt lange, kurvige und meist wenig befahrene Etappen mit einem anderen Rhythmus als der Waldkamm im Westen: weniger Höhenmeter, dafür Dauerkurven am Hang.
Als Ankerpunkte taugen Saalburg-Ebersdorf, ein Wassersportort an der Bleilochsperre, und das Städtchen Ziegenrück zwischen den beiden Stauseen. Auf den Seen verkehren Ausflugsschiffe, und einzelne Fährstellen queren das Wasser dort, wo die Straße sonst einen weiten Umweg nähme. Wer eine Tagesrunde plant, verbindet die Uferstraßen mit einer Schleife durchs Schiefergebirge — Wald und Wasser liegen hier dicht beieinander.
Ganz im Nordwesten, wo Thüringen an Niedersachsen und Hessen stößt, liegt das Eichsfeld — eine sanft gewellte Muschelkalk-Hochfläche, die als eigenes Revier zu wenig beachtet wird. Die Landstraßen zwischen Heilbad Heiligenstadt, Worbis und Dingelstädt ziehen in weiten Bögen über Höhenrücken und durch stille Dörfer, fast ohne den Ausflugsverkehr, der den Thüringer Wald an schönen Wochenenden füllt. Wer zügiges, entspanntes Kurvenfahren ohne Gedränge sucht, ist hier richtig.
Die Region ist zugleich der beste Ausgangspunkt, um die ehemalige innerdeutsche Grenze als Reisethema zu fahren. Über vier Jahrzehnte verlief hier der Todesstreifen, der das Eichsfeld zerschnitt; heute zieht sich an gleicher Stelle das Grüne Band als langer Biotopverbund durch die Landschaft. Die Straßen queren diese Linie immer wieder, und an markanten Punkten erinnern Museen und Denkmale an die Teilung.
Konkrete Anlaufpunkte für eine Etappe entlang der Grenze:
Zwischen dem Eichsfeld im Norden und Geisa im Süden lässt sich so die ganze Westflanke Thüringens als durchgehendes Grenz-Thema abfahren — landschaftlich reizvoll und historisch dicht, mit dem Werratal als Verbindung dazwischen.
Etwa 160 bis 190 Kilometer. Von Jena auf der B88 durch das enge Saaletal über Kahla (Abstecher zur Leuchtenburg) nach Rudolstadt mit der Heidecksburg und weiter nach Saalfeld zu den Feengrotten. Von dort über Ziegenrück auf den Höhenstraßen zwischen Bleiloch- und Hohenwarte-Stausee, zurück über Pößneck. Highlight: die Stauseen-Etappe der Saalekaskade. Einkehr: in Saalfeld oder an einem der Seerestaurants am Hohenwarte-Ufer.
Etwa 150 bis 180 Kilometer. Von Sondershausen über Bad Frankenhausen auf die kurvenreiche B85-Auffahrt hinauf zum Kyffhäuserdenkmal (Tempolimit beachten), weiter nach Kelbra am Stausee und über den Südharzrand nach Nordhausen, zurück nach Sondershausen. Highlight: die 36 Kurven der Denkmals-Auffahrt und der Blick über die Goldene Aue. Einkehr: am Denkmal oder in Bad Frankenhausen.
Etwa 120 bis 150 Kilometer. Von Erfurt (Dom und Krämerbrücke) auf der B7 nach Weimar mit Bauhaus-Museum und Goethehaus, weiter über Apolda nach Jena (Planetarium, JenTower). Rückweg über die Landstraßen der Drei Gleichen bei Wandersleben und Amt Wachsenburg. Highlight: drei Burgen und drei Welterbe-Städte an einem Tag. Einkehr: in Weimar oder an der Veste Wachsenburg.
Etwa 170 bis 200 Kilometer. Von Bad Langensalza auf der B84 am Nationalpark Hainich entlang zum Baumkronenpfad, weiter in die alte Reichsstadt Mühlhausen und durch das hügelige Vorland Richtung Westthüringen, zurück über Bad Langensalza. Highlight: der Buchenwald-Nationalpark und das mittelalterliche Mühlhausen. Einkehr: in Mühlhausen oder am Hainich-Nationalparkzentrum.
Etwa 180 bis 220 Kilometer. Von Jena auf der B88 nordwärts durch das Saaletal über Camburg in die Weinregion um Naumburg und Freyburg (teils schon Sachsen-Anhalt), durch die Hügel zurück über Apolda und Weimar nach Jena. Highlight: die sanften Weinberg-Straßen als Kontrast zu den Mittelgebirgskurven. Einkehr: in einem Weingut rund um Freyburg.
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